Fracking in den Vier- und Marschlanden?!? Ein Kommentar

Fracking cracks vier-undmarschlandeKommentar zum Heft 1/2013 des VuM-Magazin — Vier-& Marschlande — Das Regionalmagazin vom 1. Juni 2013

Auf der Seite 100 des VUM-Heftes 1/2013 wird einleitend erklärt, dass es sich bei der beabsichtigten Aufsuchung um „unkonventionelle Lagerstätten“ handelt, die mit dem Hydraulic Fracturing — oder Kürzel „Fracking“ — Verfahren produziert werden sollen. Bei Durchsicht der Seiten 100 bis 104 und nachfolgend 105 bis 107 des obigen Heftes wird deutlich, dass der Herausgeber offenbar selbst nicht über die erforderlichen Kenntnisse und Hintergründe verfügt, um über das zugegeben komplexe Thema „Fracking“ angemessen berichten zu können. Offenbar hat er sich dabei auf die Propaganda-Abteilung der Firma EXXON MOBIL gestützt, die ihn mit den bekannten, verfälschenden und irreführenden Informationen gefüttert hat.

Der Duktus dieser Informationen lautet: „das wurde doch schon Hunderte Male in Deutschland eingesetzt und nie ist etwas passiert, die heutige Öl- und Gasförderung ist möglich, weil das Verfahren angewendet wird. Die ganze Aufregung in Vierlande kommt doch nur, weil ein paar Spinner die Leute mit Halbwissen verrückt gemacht haben.“

So schreibt der Herausgeber: „Nach den allgemeinen Erfahrungen des Redaktionsteams sind die ursächlichen Zusammenhänge von Reaktionen der Menschen auf Ereignisse, in den meisten Fällen, auf Propaganda einzelner oder weniger Personen zurückzuführen. Hierbei lässt sich feststellen, dass spezifische Hintergrundinformationen in der Regel nicht eingeholt werden. Dadurch das propagandistische Informationen nicht hinterfragt werden, besteht die Gefahr, das sog. Halbwissen in den meisten Fällen nicht verifiziert entsteht und falsch verstanden eingesetzt wird.“

Dieser in Versalien geschriebene Kommentartext des „Redaktionsteams“ bezüglich der Wirkung von Propaganda soll hier Anlass für meine erste Stellungnahme sein:

Sehr geehrtes Redaktionsteam,

es ist bedauerlich, dass Sie sich nicht aus eigener Erkenntnis mit dem komplexen Thema auseinander gesetzt haben und sich so zum bloßen Vervielfältiger der Propaganda des EXXON MOBIL Konzerns benutzen lassen haben. Wer sich schon länger mit Fracking beschäftigt, kann das unschwer erkennen, denn wie schon seit vielen Jahrzehnten in der Werbung üblich, werden unrichtige Behauptungen und Vergleiche gebetsmühlenartig wiedergegeben. Man weiss ja bei EXXON, dass doch immer ein Teil davon hängen bleibt. Tausend mal wiederholt, wird so die Propaganda zur Wahrheit.

Man darf sich mit Ihnen freuen, über die großzügige Anerkennung welche in solchen Fällen den Vervielfältigern zuteil wird.

Aber, wir wollen Sie ja nicht uninformiert lassen, damit Sie bei nächster Gelegenheit, die sich sicher bald ergeben wird, sachlich zutreffender berichten können. Auf Seite 100 geht es schon los:

Es wird behauptet, „das Verfahren“ schon seit 1961 in Niedersachsen angewendet zu haben. Diese Aussage ist falsch, ebenso wie die Graphik dazu, wie auch die weitere Behauptung, dass 1/3 der Erdgasproduktion in Deutschland durch „Frac-Maßnahmen“ ermöglicht werde. Es werden bewusst unterschiedliche Verfahren, nämlich das „Stimulieren“ konventioneller Öl- und Gasbohrungen durch „Bohrlochbehandlungen“ und das horizontale „Fracking“ in abgelenkten Bohrungen in einen Topf geworfen, um langjährige Erfahrung in Deutschland vorzutäuschen.

Auf Seite 102 mittlere Spalte (es ist zum Schmunzeln) widersprechen sich dann die EXXON-Autoren selbst: Zitat 1: „Wir unterscheiden heute zwischen sog. konventionellen und unkonventionellen Lagerstätten…“ Zitat 2: „Anfang der 90er Jahre wurde erstmals Erdgas in sog. Unkonventionellen Lagerstätten in Deutschland entdeckt.“ Ja was soll denn nun gelten? Das sollten Sie bitte mal bei EXXON erfragen.

Es wird behauptet, dass erst nach dem Dokumentarfilm „GASLAND“ von Josh Fox in Europa sich ein verstärkter Widerstand entwickelte. Wir, die Initiativen gegen Fracking in Deutschland, waren zum großen Teil schon aktiv, als wir von der Möglichkeit hörten, den Gasland-Film bekommen und öffentlich zeigen zu können. In den meisten Fällen entwickelten wir uns aus der örtlichen Erkenntnis heraus, dass jemand vor unserer Tür nach „unkonventionellen Kohlenwasserstufen“ suchen wollte
und dazu von der zuständigen Bergbehörde eine Genehmigung erhalten hatte. Durch Veröffentlichung der Genehmigung erfuhren wir in den meisten Fällen erst davon. Richtig ist allerdings, dass der GASLAND-Film der Öffentlichkeit auf beeindruckende Weise erstmals darlegte, welche Gefahren da auf die Menschen zukämen, wenn bei uns in Deutschland großflächig Fracking in horizontal abgelenkten Bohrungen durchgeführt würde. Heute wissen wir, durch weitere inzwischen erhaltene Informationen aus Nordamerika, dass der GASLAND-Film noch geradezu zurückhaltend schildert und dass noch keineswegs alle tatsächlich mit Fracking, seinen Begleitumständen und seinen Folgen verbundenen Gefahren und Wirkungen gezeigt und beschrieben wurden. Aus heutiger Sicht kann man sagen: der GASLAND-Film ist leider harmloser als in vielen Fällen die Wirklichkeit für die Betroffenen Anwohner in Fracking-Gebieten in den USA ist. Als Beispiel sei hier der Offene Brief betroffener Geschädigter aus Pennsylvania an den Gouverneur von Illinois genannt, der am 28.05.2013 in der Huffington Post veröffentlicht wurde. In diesem Brief beschreiben die Bürger im Detail welche Beeinträchtigungen und Schädigungen im Zusammenhang mit Fracking sie in den letzten 5 Jahren erlitten.

Zu den „Aktivitäten“ der Bürger in Vierlanden und in Bergedorf:
Es gab vor dem Bekanntwerden der erteilten Aufsuchungserlaubnis an die BEB im Feld Vierlande keinen Anlass, sich Gedanken zu machen, da ja –leider- die Beantragung und Bearbeitung vom LBEG streng vertraulich behandelt werden. Niemand wäre auf die Idee gekommen, dass dort überhaupt eine Genehmigung erteilt werden könnte, da in der Urstromniederung der Elbe zahlreiche Wassergewinnungs-anlagen für die Trinkwasserversorgung der Großstadt Hamburg liegen. Es ist bis heute ein Rätsel, warum die Stadtregierung Hamburg sich leichtsinnig ihre Trinkwasserversorgung gefährden lässt, indem sie zulässt, dass ausgerechnet dort nach Kohlenwasserstoffen gesucht und im Zweifelsfalle auch gebohrt wird.

Der Verweis, dass dort ja schon früher Öl gefördert wurde, reicht als Erklärung keines wegs, denn das heute übliche Fracking-Verfahren in horizontal abgelenkten Bohrungen, mit Drücken von weit über 1.000 bar, bei üblichen horizontalen Längen von bis zu 5.000 m beeinflusst die Struktur des Untergrundes in gravierend höherem Maß als das die früheren Verfahren jemals konnten. Der Untergrund wird flächig aufgebrochen, um überall an das in vergleichsweise geringen Mengen vorhandene „unkonventionelle“ Gas heranzukommen.

Zur abwiegelnden Beschwichtigung auf Seite 101, dass ja eine Aufsuchungserlaubnis, noch keine Fördererlaubnis sei, und dass ja auch nichts weiter angemeldet sei, passt auch die verquere Aussage von Rüdiger Hinze, die auf Seite 101 am Ende der
mittleren Spalte wiedergegeben wird. Er hätte aus Gründen der „Besorgnis“ die Erteilung dieser Genehmigung verweigern können und müssen. Denn die Wasserversorgung des Ballungsraumes Hamburg muss Vorrang haben. Aber auch bei diesem Abschnitt des Propaganda-Textes widerspricht sich EXXON wieder selbst. Am Anfang (in der Mitte der linken Spalte auf Seite 101) wird beruhigt, eine Probebohrung könne ja mit einer Aufsuchungserlaubnis nicht erfolgen. Dann aber in der ganz rechten Spalte, wird erklärt, dass ein Unternehmen, wenn es meint, mögliche lohnende Lagerstellen lokalisiert zu haben, dann wolle und werde es auch fördern. Und dann wird weiter erläutert, dass EXXON sowohl bei konventionellen als auch bei unkonventionellen Vorkommen Förderungspläne hat, wenn solche dann entdeckt werden.

Im Klartext: die Wasserentnahmegebiete im Urstromtal der Elbe sind potentiell gefährdet, wenn dort nach Öl und Gas gebohrt wird, denn die vermeintliche Sicherheit gegen Grundwasservergiftungen ist nur eine relative. Insbesondere, wenn zur Förderung unkonventioneller Kohlenwasserstoffe das Fracking in horizontal abgelenkten Bohrungen durchgeführt wird, besteht höchste Gefahr für das Grundwasser und damit für die Trinkwassergewinnung.

Je Bohrung werden 10.000 bis 30.000 m³ Wasser in das Bohrloch gepresst, wodurch Kräfte von 10.000 to und mehr im Untergrund wirken. Vorhandene natürliche Wegsamkeiten und Klüfte und Altbohrungen bieten dann beste Gelegenheiten für unter Hochdruck stehende Flüssigkeiten sich unkontrolliert im Untergrund nach allen Richtungen hin auszubreiten und so auch das Grundwasser in dem Bereich zu kontaminieren. Bei mehr als 390 Tiefbohrungen, allein in den Vier- und Marschlanden, mutet schon die Idee, hier Fracking betreiben zu wollen, wahnwitzig an.

Zu den vermeintlich „riesigen Reserven“ gemäß der Abschätzungen der BGR, auf die auf Seite 102 Bezug genommen wird, gibt es folgende Erwiderung: Die Internationale Energie-Agentur IEA, die üblicherweise hervorragende Informationen direkt von den Förderfirmen in aller Welt erhält, hatte Mitte 2011 die „förderbaren Gasmengen aus Shale Gas Lagern in Deutschland“ mit 226 Milliarden m³ Erdgas angegeben, auf Platz 49 in der weltweiten Rangliste. Offenbar gab es Interessen in Deutschland, die es gern sahen, wenn die in Aussicht stehenden förderbaren Gasmengen aus Schiefer Gas in Deutschland etwas reichlicher bewertet würden. Also setzte man sich bei der BGR hin, ohne über neue Erkenntnisse zu verfügen und schätzte das gesamte Potential erneut ab. Und, siehe da, die förderbare Menge in Deutschland hat sich im Sommer 2012 fast versiebenfacht auf 2,3 Billionen m³ Erdgas.

Und natürlich verwendet EXXON jetzt diese Zahl, die im übrigen genau so aus der Luft gegriffen ist, wie jene der IEA es vorher war. Welche unkonventionellen Gasmengen bei uns tatsächlich förderbar wären, weiss heute niemand.

„ein Stück weit Unabhängigkeit für Deutschland in Energiefragen“, wie es auf Seite 102 in der Mitte der rechten Spalte zu lesen ist, ist eine reine, der U.S.-Mentalität entspringende Propaganda-Floskel, die einfach für Deutschland übernommen wurde, obwohl sie bei uns überhaupt nicht zutrifft. Denn: es gibt kein „deutsches Gas“, genau so wenig wie es „deutsche Importe von fossilen Brennstoffen“ gibt. Deutschland wird durch eine Gruppe internationaler Energie-Produzenten und -Händler mit allen Arten der benötigten Brennstoffe zu Weltmarktpreisen versorgt. Deutschland betreibt keine nationale Energiebeschaffung oder -Erzeugung.

Die Förderung aus deutschem Boden wird an privatwirtschaftlich tätige Konzerne vergeben. Die Förderer müssen dafür je Einheit einen vereinbarten „Förderzins“ entrichten, das geförderte Gas in ihren Leitungen wird jedoch ihr Eigentum. Diese meist international tätigen Konzerne handeln so, dass ihre Anteilseigner maximale Profite erzielen. Die Bedürfnisse Deutschlands spielen dabei keine nennenswerte Rolle.

Selbst optimistische Abschätzungen haben ergeben, dass im Höchstfalle max. 5% des heutigen jährlichen Bedarfes an Erdgas durch Förderung „unkonventionellen Erdgases ersetzt werden könnten. Diese geringe Menge würde weder unsere Importabhängigkeit spürbar verringern, noch wäre sie geeignet, hinsichtlich des Preisniveaus eine Wirkung zu erzielen. Die Großkonzerne haben den Markt in der Hand und sorgen dafür, dass ihre Gewinne bei uns nicht kleiner werden.

Ankündigung „ungiftiger Frac-Flüssigkeiten“ durch EXXON auf Seite 103:
Es wurde schon so viel angekündigt, das sich dann doch als anders herausstellte als die Ankündigung von EXXON, dass man am besten mal abwartet, bis konkrete Beispiele vorgelegt werden. Fakt ist, dass Bakterienwachstum verhindert werden soll und muss. Und dafür benötigt man eine ausreichend „biozide“ Wirkung im Fluid. Genau diese Wirkung ist es aber, die auch alle Bio-Organismen schädigt, wenn diese mit den Bestandteilen in Berührung kommen, so auch uns Menschen.

Auffällig ist nur der Zeitpunkt der neuen Ankündigungen Anfang 2013 gewesen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass damit in Deutschland die Politik und die öffentliche Meinung beeinflusst werden sollte, denn zeitgleich begann der Anlauf
der Regierung für ein „Fracking-Zulassungsgesetz“ in Deutschland.

Flowback und Lagerstättenwasser auf Seite104:
Auch hier wieder werden die Fakten propagandistisch verniedlicht oder einfach weggelassen, wenn sie für den „unbedarften Leser“ unangenehm sein könnten. Er soll sich ja nicht beunruhigen, nicht wahr…

Das Frac-Fluid kommt im Laufe der Förderungszeit der unkonventionellen Gasbohrung zu fast 90% wieder hoch, haben Untersuchungen in den USA ergeben. Das Lagerstättenwasser, das mit dem Gas ebenfalls an die Erdoberfläche gefördert wird, ist die giftigste Flüssigkeit bei dem ganzen Prozess überhaupt, da es mit hoch toxischen Belastungen in hohen Dosen angereichert ist. Das sind Kohlenwasserstoffe, meist hoch giftig, wie z.B. Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol (BTEX), aber auch Schwermetalle, wie das hoch giftige Quecksilber. Sehr häufig enthält es auch radioaktive Elemente wie z.B. Radium 226, die im Material der Lagerstätte natürlich vorkommen und dort eingeschlossen sind. Mit dem Eindringen zur Förderung werden auch sie frei und mit nach oben gefördert.

Die Mengen an Lagerstättenwasser, das auch schon bei konventioneller Öl- und Gasförderung anfällt, sind bei der flächigen Aufbruchmethode allerdings viel größer, da mit dem Aufbrechen der Gesteinsstruktur auch das Lagerstättenwasser frei wird.
Frac-Flüssigkeiten und Lagerstättenwasser ergeben zusammen den sog. Flowback.

Beseitigung des Flowback:
hier stellt EXXON immer 4 Möglichkeiten in den Raum. Tatsächlich aber werden die Abfallwässer bei uns alle in den tiefen Untergrund verpresst, weil das die preiswerteste Lösung für die Gasindustrie ist. Dort schlummern sie als „Zeitbomben“
und können sich mittel- bis langfristig auch in Richtung der Trinkwassereinzugs-gebiete ausdehnen (z.B. Rotenburger Rinne).
Es ist bezeichnend, dass EXXON an die Bundesregierung die Bedingung stellt, auch bei der beabsichtigten Förderung „unkonventioneller Kohlenwasserstoffe“ weiterhin die bisher praktizierte Methode der Entsorgung durch „Verpressen“ beibehalten zu können. Sonst lohne sich das Ganze nicht. Eine Aufbereitung sei zu teuer.

Der Unterschied zwischen den Verhältnissen in den USA und in Deutschland:
Die Gasunternehmen haben sich durch massive Lobbyarbeit und die gelungene Delegation von Dick Cheney in die U.S-Regierung 2005 Gesetze schaffen können, mit denen sie vom strengen U.S.-Umweltschutz und –Wasserschutz befreit wurden und in der Folge rücksichtslos das Land ausbeuteten und das bis heute tun. In ganzen Landstrichen ist das Brunnenwasser nicht mehr genießbar, seit dort gefrackt wurde. Das beschriebene „Erdgasfieber“ brach erst aus, als die Schutzmaßnahmen für Natur und Umwelt und Wasser aufgehoben waren. (–> Halliburton-Loophole)
Und noch einen Unterschied gab es: zu Anfang war die Schiefergas-Industrie in den USA mittelständisch und die großen Ölkonzerne schauten kritisch abwartend zu.

Dann entschlossen sie sich, in das Geschäft einzusteigen, um ihre dominierenden Positionen abzusichern. Heute gehört 60% der Schiefer- Gas-Produktion in den USA wieder den führenden Großkonzernen. Sie sind jetzt dabei, den Gaspreis zu steigern,
um damit wieder Geld zu verdienen. Er stieg seit Februar 2012 von 2.- USD pro Energieeinheit heute schon auf 4,30 USD pro Energieeinheit an und es ist angekündigt, dass er noch weiter steigen wird. Schon sind die ersten Steinkohlekraftwerke in den USA wieder ans Netz gegangen, weil Gasstrom nicht mehr billiger ist.

Wie das Umweltbundesamt zum Thema Fracking allgemein steht:
Hier wird leider unvollständig berichtet. In den Schlussfolgerungen zur Einschätzung der Schiefergasförderung in Deutschland sind nicht nur fünf sondern acht Mindestanforderungen genannt und zum Teil deutlich weiter gehend, als hier von EXXON wiedergegeben:
– bei den „sensiblen Gebieten mit Schutzbedarf“ sind auch die Mineralquellen erwähnt.
– UVP für jeden einzelnen Frackvorgang
– vollständige Offenlegung der verwendeten Additive und der exakten Zusammensetzung der Fluide für jeden einzelnen Frackvorgang
– Registrierung der Fracking-Chemikalien für diese Verwendung gemäß REACH-Verordnung
– Erstellung eines Notfallplanes und Störfallvorsorge
– Gefährdungsanalyse und begleitendes Monitoring durch die Förderunternehmen

Was das Umweltbundesamt zu den bisherigen Frac-Maßnahmen sagt:
Hier wird bestätigt, dass eben nicht die Förderung unkonventioneller Kohlenwasserstoffe mit diesen „Fracs“ der Gegenstand der Handlungen war und dass bisher so gut wie keine Erfahrung in Deutschland damit vorliegt.

Zu der Beschreibung der Fördertechnik Seiten 105 bis 107:
Hier ist es unserer Meinung nach wesentlich, auf eine der Hauptschwachstellen des ganzen Systems hinzuweisen, die Intregrität der Steigbohrung von der Teufe der Schiefergesteinslage bis zum Abschluss an der Erdoberfläche. Die Standrohrtechnik aus Stahlrohren, die mit Zement umgossen werden, um eine Abdichtung zwischen der Bohrungsinnenwand im Gestein und dem verjüngenden Standrohr zu erreichen, ist für die Verwendung mit Hochdruck-Fracking eine völlig
ungeeignete Konstruktion. Deshalb versagt der Verbund aus Standrohr und Zementumguss auch sehr oft und wird undicht. Bohrungsinhalte können nach außen austreten, oder es entstehen Wegsamkeiten am Außendurchmesser mit der Folge, dass Flüssigkeiten an ihnen entlang schnell bis zum Grundwasserbereich aufsteigen können.

Eine zweite, verfahrensbedingte, Eigenart ist es, dass sich durch die enormen Kräfte beim horizontalen Fracking vertikale Risse im Gestein von der Bohrung aus nach oben, mit einer Länge von bis zu 588m ausbilden, vereinzelt auch mit deutlich größeren Längen. Durch sie kann das leichtflüchtige Methan dann zum Grundwasser aufsteigen und sich darin lösen. Doch auch Frac-Fluid unter hohem Druck kann so ungewollt aufsteigen. Die Länge der horizontal abgelenkten Rohrleitungen beträgt
statt „einigen hundert Metern“ üblicherweise heute über 4km. Doch sind auch schon längere Horizontalstrecken ausgeführt worden.

Autor: Volker Fritz im Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land, 03.06.2013

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Hamburg-Harburg grüßt den Rest der Bewegung

20130505_Hand_Stop_frackingHier ist eine weitere Seite der BI FrackingFreies Hamburg für Harburg und Umgebung.

Bitte unterzeichnet jetzt die Petition gegen Fracking.

Ein erstes Treffen von ca. 20 Fracking-Gegnern aus Harburg und Umland fand am Donnerstag, dem 30. Mai, um 18 Uhr im Rieckhof statt.
Spontan wurde die BI FrackingFreies Harburg gegründet.
Das nächste Treffen findet am 06.Juni, um 18:30 Uhr im Schützenhof-Marmstorf statt.

Am 17. Juni um 19:30 Uhr lädt die BI FrackingFreies Hamburg zur Informationsveranstaltung ins Zollenspieker Fährhaus ein.
Flyer downloaden [PDF]

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Fracking und die Folgen: Die Haftungsbombe

Quarzsandmine in Iowa

Quarzsandmine in Iowa (Quelle: Desmogblog)

Klar denkende Menschen sahen es schon lange kommen: Nur wenige Jahre nach dem Beginn des Fracking-Wahns zeigen sich im Frac-Land USA schon deutlich die massiven Nebenwirkungen, die diese Irrsinns“technologie“ unweigerlich mit sich bringt. Ganze Landstriche verwüstet und unbewohnbar, verpestetes Grund- und Trinkwasser, verendetes Vieh und sterbenskranke Menschen. Nicht nur die Milliarden Tonnen unterirdisch verpressten Sondermülls geraten außer Kontrolle, nicht nur die zerschundenen Arbeiter auf den Bohrplätzen, auch die Menschen, die von der Zuliefererindustrie für den benötigten Quarzsand betroffen sind, sind an Leib und Leben bedroht. Jetzt haben letztere erschütternde Brandbriefe an ihre Volksvertreter geschrieben, um sie wachzurütteln – mit weltweitem Widerhall. Hier die Teilübersetzung der Originalveröffentlichung aus der gestrigen Huffington Post, die wir Volker Fritz aus Braunschweig verdanken:

Titel: Die Verschuldensbombe: unbedingt lesen!! Briefe von Fracking-Geschädigten an die Parlamentarier von Illinois Die Welt schaut nicht einfach nur zu bei dem sich eröffnenden Debakel mit dem Fracking-gesetz im Parlament von Illinois.

Da die Vollversammlung des Parlamentes von Illinois in dieser Woche über das zunehmend suspekte Frackinggesetz der Regierung abstimmt, unternahmen Bürger aus den Staaten Wisconsin, Iowa und Minnesota heute den außergewöhnlichen Schritt, noch nie da gewesene Warnbriefe loszulassen, in denen sie vor dem „drohenden Unheil für die öffentliche Gesundheit“ bei der Erdgasproduktion warnten und die Parlamentarier von Illinois aufriefen, die Entscheidung über das schlampige Gesetz beiseite zu legen und schnell ein Moratorium zu erklären.

„Wir haben leidvoll erfahren, dass gesetzliche Bestimmungen – egal, wie sicher sie auf dem Papier erscheinen – keinen hinreichenden Schutz der menschlichen Gesundheit oder des Eigentums gewährleisten, besonders in schwierigen ökonomischen Zeiten, wenn staatliche Agenturen, die mit der Aufgabe der Überwachung der Einhaltung von Gesetzen betraut sind, nicht finanziell und personell nicht ausreichend ausgestattet sind.“, heißt es in dem von Bürgern aus Pennsylvania unterschrieben Brief, der heute Morgen veröffentlicht wurde, zusammen mit dem Hinweis auf eine Liste der gesundheitlich Geschädigten (List of the Harmed), die einem die Augen öffnet, mit mehr als 1350 Personen mit Beschwerden, die nachweislich im Zusammenhang mit Fracking-Aktivitäten oder Zuliefer-Aktivitäten für Fracking auftraten.

Der Brief ist eine kraftvolle Antwort auf das Hearing des Exekutivkomittees zum Frackinggesetz SB 1715 des Parlamentes, wo jedes Mitglied dieses Komittees das atemberaubende Eingeständnis machte, dass er noch nie irgendeinen Ort besucht hatte, wo Fracking stattfand. Der Brief kritisiert die übertriebenen Versprechungen auf Arbeitsplätze und Einnahmen und gibt aus erster Hand einen Einblick in die wachsenden Ausgaben der Gemeinden in Pennsylvania für Gesundheit, Arbeitsplätze und Umwelt, während der letzten 5 Jahre die in giftige Industriegebiete verwandelt wurden.

Einwohner von Wisconsin, Iowa und Minnesota sprachen im Auftrag von Gemeinden, die auf riesigen Silizium-Sand-Lagern sitzen, der als notwendige Beimengung zum Fracking-Prozess benötigt wird, und unterstrichen die Notwendigkeit für die Parlamentarier von Illinois, die überhastete Fracking-Gesetzgebung zu überdenken:
„Wir leiden sehr unter dem industriellen Abbau von Siliziumsand und der Weiterverarbeitung, was eine direkte Folge des fortdauernden Schiefergas-Booms in diesem Land ist. Unsere Gemeinden, unser Land und unsere Gesundheit sind dabei,
buchstäblich davon zerstört zu werden. Wir bitten Sie, erklären Sie ein Moratorium auf Fracking in Illinois, weil wir sicher sind, dass der Bedarf für Fracking-Sand weiter zunehmen wird, bei steigendem Preis – mit der Wirkung auf unsere eigenen Politiker den zerstörerischen Abbau und die Verarbeitung von Fracking Sand noch weiter auszudehnen, falls Sie mit diesem Gesetz für Fracking in Ihrem Land weitermachen und Ihren Staat für das großvolumige Fracking öffnen sollten.

Schlüsselthemen: Rücksichtslosigkeit und Verantwortlichkeit
Besonders das Verhalten des Gouverneurs von Illinois, Pat Quinn, und seines Justizministers Lisa Madigan, deren offenbare Hinterzimmer-Klüngeleien zum Fracking-Kontrollgesetz ohne Wissenschaftler und ohne Gesundheitsexperten erfolgten, hat Empörung im ganzen Staat ausgelöst und dieses kontroverse Thema über Fracking zum Thema im nächstjährigen Rennen um das Gouverneursamt in Illinois gemacht – gerade rechtzeitig für finanziell klamme Landkreise, „die damit kämpfen, ihre Infrastrukturen zu warten, die viel zu wenig Instandhaltung haben, die Ausbauen oder Gebäude für Schulen und Dienstleistungen anmieten müssten, wenn erst die Bohrmannschaften und andere mit dem Fracking verbundenen Aktivitäten beginnen würden, anzurücken“ gemäß einer Recherche der Chicago Tribune zum Thema „Fracking Steuer“.

Illinois, wie die Bürger aus Pennsylvania feststellen, ist nicht allein, den Sprung in die Produktion mittels Fracking zu tun. Aber mit dem längeren „Vorstrafenregister“ aus den gemachten Erfahrungen zeigte sich bei einer Umfrage in Pennsylvania eine überwältigende Unterstützung für ein Moratorium. Auch im Staat New York wartet man auf eine Entscheidung. „Ein Brunnen könnte in einem Jahr, von heute ab gerechnet , vergiftet sein –und was dann?“ erzählte Gouverneur Cuomo von New York Reportern im letzten Monat, während er auf ein staatliches Gesundheitsgutachten zum Fracking wartet. „Ich möchte nicht verantwortlich sein und ehrlich gesagt, ich habe nicht das erforderliche Wissen.“

In einem Beitrag am Sonntag beschimpfte die L.A. Times die Administration von Gouverneur Jerry Brown und überreichten ihm ihre Unterstützung für ein Frackingmoratorium als „das kluge Vorgehen“. Die gleiche Nachricht wurde vor 2 Monaten von der Albany Times Union wiederholt: „ob man der Meinung ist, das Erdgas-Fracking zur ökonomischen Gesundung von NeW York führt
Oder ob man darauf wartet dass eine Umweltkatastrophe eintritt, es gibt ein nicht diskutierbares Faktum in diesem Zusammenhang: es fehlt die Wissenschaft, so etwas geht nicht durch spekulative Wetten. Und darum macht ein Moratorium in New York Sinn.“

Die bedrängten Einwohner von Pennsylvania ermahnten die Parlamentarier von Illinois „ein Moratorium zu erklären, um Zeit zu gewinnen, um Gebiete zu besuchen in denen bereits gefrackt wird, um Wissenschaftler und Gesundheitsexperten in den Prozess zu integrieren und um eine Umwelt- und Gesundheitsstudie durchführen zu lassen“. Und sie nahmen von ihren Warnungen nichts zurück: „Wenn Sie erlauben, dass Fracking so ausgedehnt werden kann, wie jetzt geplant, werden Sie über Ihren Staat dieselbe schreckliche Erfahrung bringen, wie wir sie in Pennsylvania erlitten haben“.

Der volle Briefumfang hängt an der englischen Originalversion an.

Daraus zitiere ich einige Passagen:

„Sehr geehrter Gouverneur, Frau Justizminister und Mitglieder der Vollversammlung des Parlamentes des Staates Illinois,
wir schreiben Ihnen heute, um Sie dringend zu bitten, nicht das horizontale Fracken (in abgelenkten Bohrungen) in großem Maßstab, um Gas und Öl zu fördern, in Ihrem Staat zu erlauben. Wir, die unterzeichnenden Bürger von Pennsyvania, sind Teil einer großen Zahl durch Fracking Geschädigter…

Alle Gesetze und Vorschriften können nicht vor Unfällen schützen und das in einer Industrie, bei der es häufig zu Unfällen von einer besonders furchterregenden Art kommt und deren Wirkungen nicht nur zeitweise auftreten…

Die Öl-und Gasindustrie verspricht, dass Fracking sicher sei und dass dadurch Arbeitsplätze geschaffen werden und dass unser Staat dadurch reich wird. Aber die Erfahrung, die Pennsylvania in den letzen fünf Jahren gemacht hat, erzählt von sehr großen Unterschieden. Zusammengefasst: die Vergiftung von Wasser ist breitflächig aufgetreten, unsere Luft wurde verschmutzt, zahllose Einzelpersonen und ganze Familien wurden krank, Farmen wurden verwüstet, das Vieh starb und auf unseren früher ursprünglichen Strömen und Flüssen schwammen tote Fische, nur ein Bruchteil der versprochen Arbeitsplätze und der Einnahmen für den Staat wurden realisiert; und unsere Gemeinden verwandelten sich in giftige Industriegebiete mit
24 Stunden am Tag, an 7 Tagen in der Woche, Lärm, Abfackeln, Tausenden von LkWs und gestiegener Kriminalität. Was gibt es noch – ach ja – die Arbeitsplätze haben viele Arbeiter so schwer krank gemacht, dass sie nicht mehr in der Industrie arbeiten können.

Vor einer Woche berichtete die Scranton Times-Tribune, dass in zumindest 161 Häusern Framen, Kirchengemeinden und Gewerbebetrieben zwischen 2008 und Herbst 2012 die Wasserversorgung beschädigt wurde (gemäß DEC-Untersuchungen). Es sind in dieser Zeit bei uns ca. 4.000 Bohrungen erstellt worden. Damit zeigt sich, wie häufig und ausgedehnt die Wasserschädigung im Zusammenhang mit Fracking auftritt. Diese Zahlen sind nicht erstaunlich, wenn man bedenkt, dass in der Gasindustrie, nach Erhebungen der DEC, in Pennsylvania 6,2% aller Steigrohrmäntel von Anfang an defekt waren (in 2012 stieg dieser Wert sogar auf 8,9%).

Da die verwendeten Chemikalien sehr toxisch sind, ist die Wasserkontamination ein sehr ernstes Problem… Kühe, die verdorbenes Wasser soffen, das mit verwendetem Frac-Fluid verunreinigt war, starben schnell; das Land, wo diese Flüssigkeit austrat, wurde versengt.

Wir sehen in Fracking eine Katastrophe für die öffentliche Gesundheit.

Viele Betroffene von Erkrankungen im Zusammenhang mit Fracking unterschreiben Vereinbarungen, die sie verpflichten, auf jedes Recht zu verzichten darüber zu sprechen, was sich ereignet hat, dafür einigen sie sich mit den internationalen Öl- und Gaskonzernen außergerichtlich. Auch wenn viele Fälle dadurch vor den Augen der Öffentlichkeit durch diese Geheimhaltungsvereinbarungen verborgen wurden, konnten wir eine „List of the Harmed“-Liste Betroffener in Pennsylvania erstellen, die inzwischen weit über 1.000 Personen umfasst.

… die Regierung von Pennsylvania hat sogar ein Gesetz erlassen, das unter anderem den Ärzten, die Fracking-Erkrankte behandeln und die Auskunft über mögliche verwndete Chemikalien haben wollen, denen ihre Patienten ausgesetzt gewesen sein könnten, eine Schweigepflicht auferlegt…

… Ein großes, unkontrollierbares Problem sind gesundheitsgefährliche Luftverschmutzungen, die von den Bohrköpfen selbst emittiert werden, wie auch von den Gas-Fackeln, den Wasserabscheidungsanlagen, den Kompressorstationen und den Tausenden von Diesel LkWs, die notwendig sind um jede einzelne Bohrung zu versorgen.

… Silizium-Staub – ein bekannter Verursacher von Lungenkrebs und Silikose – ist auch ein Problem an Fracking Plätzen und darum herum. Wir leben mit dem Wissen, dass unsere Kinder schädliche Luft einatmen und können nur abwarten welche und wie schwere Auswirkungen sich daraus in der Zukunft entwickeln werden.

… Unsere Umwelt wurde scheinbar über Nacht umgewandelt von einer herrlichren Landschaft und bäuerlichen Anwesen in eine giftige Schwerindustrie-Zone…

… Vele unser Schulgelände und Spielflächen sind mit karzinogenem Siliziumstaub bedeckt…

… Zusätzlich den Wasser-Verunreinigungen, der Luftverunreinigung, der Industrialisierung unserer Gemeinden, zur gestiegenen Kriminalität und zu den ruinierten Farmen haben wir unzählige Austritte von Flüssigkeiten, von „Blow-Outs“
(denunkontrollierten Austritt von Bohrfluid und Gas oder Öl aus der Bohrung) und Katastrophen. Gemeinden mussten evakuiert auf Grund von Explosionen, Leckagen und Bränden.

… Wenn Sie die weitere Ausbreitung des Fracking, so wie geplant, in Ihrem Staat erlauben, werden Sie Ihrem Staat die selben schrecklichen Erfahrungen bringen, die wir in Pennsylvania erlitten haben.

Der Öl- und Gasindustrie darf man nicht trauen und sollte man nicht trauen.
Deshalb beschwören wir Sie, ein Moratorium zu verkünden und sich Zeit zu nehmen, um mehr über Fracking zu erfahren. Kommen Sie, bringen Sie Wissenschaftler mit und Gesundheitsexperten und untersuchen Sie die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung. Das ist die einzige verantwortbare Vorgehensweise und das Risiko anderenfalls ist viel zu groß. Wir würden gern mit Ihnen sprechen und wir laden Sie ein in unsere Häuser zu kommen und in unsere Gemeinden, damit Sie Fracking und seine Wirkungen aus erster Hand sehen können.

In Vertretung eines breiten Netzwerkes von Gemeinden,
Mit freundlichen Grüßen

unterzeichnet

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Übersetzung auszugsweise des Aufrufes Fracking-Geschädigter aus Pennsylvania und Wisconsin an die Parlamentarier des Staates Illinois vom 28.05.2013, veröffentlicht in der Huffington Post durch Autor Jeff Biggers

Originaltitel: Liability Bombshell: Must-Read Letters From PA and WI Fracking Victims to Illinois Lawmakers

Übersetzung: Volker Fritz, AK Fracking Braunschweig Land

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