Was ist Fracking?

Fracking kann unsere Wasserreserven auf vielen Wegen vergiften

Fracking kann unsere Wasserreserven auf vielen Wegen vergiften

Fracking oder auch hydraulic fracturing oder viel netter ausgedrückt: hydraulische Stimulation ist eine neue Gefahrenquelle für unsere Umwelt und vor allem für unser Grund- und Trinkwasser! Viele Unfälle sind mit dieser Technik schon passiert, verseuchtes Wasser, Boden und Luft, Erdbeben, Krankheiten bei Mensch und Tier und ein beschleunigter Klimawandel durch massiven Methanverlust in die Atmosphäre sind nur einige der Probleme, die zu nennen sind.

Das Wort „Fracking“ bezeichnet das Aufbrechen von festem Gestein durch das Einpressen von Flüssigkeit unter Druck bis zu 1600 bar. Das Gestein, in dem Erdgas oder Erdöl fest in winzigen Poren eingeschlossen ist, bekommt Risse, durch die Gas oder Öl zum Bohrloch fließen und gefördert werden können.

Modell einer Horizontalbohrung und gefrackter Gesteinsformation. Grafik: Mikenorton/maxxl2 via Wikipedia

Modell einer Horizontalbohrung und gefrackter Gesteinsformation. Grafik: Mikenorton/maxxl2

Die moderne Bohrtechnik ermöglicht es, auch horizontal, also waagerecht zu bohren, und zwar kilometerweit. Auf die Weise ist es möglich, eine gas- oder ölführende Gesteinsformation systematisch und flächendeckend aufzubrechen und den Bodenschatz auszubeuten.

 

Zum Fracken wird in der Regel Trinkwasser verwendet, das mit Stützmittel (Quarzsand oder industrielle Keramikkügelchen) und einer Mixtur aus teilweise sehr giftigen Chemikalien vermischt wurde. Der Sand dient dazu, die erzeugten Risse offenzuhalten, die sich sonst sofort wieder schließen würden, wenn der Druck weggenommen wird. Die Chemikalien erfüllen verschiedene Zwecke, z.B. dicken sie das Wasser an, damit sich der Sand darin nicht zu früh absetzt, oder auch Biozide, um ungewünschtes Bakterienwachstum im Untergrund zu verhindern.

Beispiel für die systematische Ausbeutung durch Horizontalbohrungen aus North Dakota, USA. Quelle: J. David Hughes, Drill, Baby, Drill

Beispiel für die systematische Ausbeutung durch Horizontalbohrungen aus North Dakota, USA.
Quelle: J. David Hughes, Drill, Baby, Drill

Einige dieser verwendeten Chemikalien können Krebs oder andere schwere Krankheiten erzeugen oder die Fruchtbarkeit oder den Fötus schädigen. Der Sand kann während Transport und Verarbeitung Staub entwickeln und zu schweren Lungenerkrankungen führen. Das benötigte Wasser, viele Millionen Liter pro Frac, stammt häufig aus der lokalen Trinkwasserversorgung. Der Frackvorgang selbst dauert nur einige Minuten und ist an der Erdoberfläche nicht zu spüren.

Ein Teil der eingepressten Frac-Flüssigkeit wird mit dem ausströmenden Gas oder Öl zurückgefördert — die Angaben reichen von 20 bis 80 Prozent –, der Rest verbleibt im Untergrund.
Wirkpfade_FrackingGleichzeitig wird sogenanntes Lagerstättenwasser (LaWa) mitgefördert, denn die tiefen Gesteinsschichten enthalten auch Wasser. Dieses LaWa ist jedoch kein Wasser, wie wir es kennen, sondern ist extrem salzhaltig und enthält zahlreiche hochgiftige Substanzen, die tief unter der Oberfläche wohnen und da auch bleiben sollten: Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol, kurz: BTEX genannt und allesamt sehr giftig, Arsen, Quecksilber, radioaktive Elemente wie Radium226 und je nach angebohrtem Gestein verschiedene weitere Substanzen, von denen man sich fern halten sollte.

Verpressstelle Wittorf Z1 in Grapenmühlen, Landkreis Rotenburg/Wümme. In Betrieb seit 1995, Verpresstiefe 1040 m uNN, Verpressmenge 672.422,6 m³ bis 31.03.2013 lt. Betreiberin RWE Dea

Verpressstelle Wittorf Z1 in Grapenmühlen, Landkreis Rotenburg/Wümme.
In Betrieb seit 1995, Verpresstiefe 1040 m uNN, Verpressmenge 672.422,6 m³ bis 31.03.2013 lt. Betreiberin RWE Dea

Zurückgeflossene Frac-Flüssigkeit (Flowback) und LaWa müssen abfalltechnisch behandelt und entsorgt werden. Die in Deutschland übliche Praxis sieht die Reinigung der Flüssigkeit von groben Teilen und eine Abscheidung von Kohlenwasserstoffen (z.B. BTEX) sowie weiterer Stoffe vor, sodass, wie uns Betreiberfirmen versichern, nur Salzwasser übrigbleibt. Dieses wird dann in ausgeförderten Bohrlöchern in Gesteinsschichten unter Tage gepresst und nicht rückholbar endgelagert.

Verpressstelle Wittorf Z1, 28. Mai 2013: Weil giftiges LaWa ausgelaufen war, musste großflächig ausgekoffert werden.

Verpressstelle Wittorf Z1, 28. Mai 2013: Weil giftiges LaWa ausgelaufen war, musste großflächig ausgekoffert werden.

Selbst Experten aus Gasindustrie und Wissenschaft geben zu, dass nur wenig über das Langzeitverhalten des verpressten Flowback bekannt ist. Es ist nicht bekannt, wie sich der Giftmüll unterirdisch ausbreitet; Aussagen darüber basieren ausnahmslos auf Modellrechnungen. Aber halt, so ganz unbekannt ist das Verhalten der verpressten Flüssigkeiten inzwischen nicht mehr: In den USA, wo seit 2005 massiv gefrackt wird (weit über 100.000 Frac-Löcher und monatlich kommen Zehntausende hinzu), gibt es bereits eindeutige Erfahrung. Dort nämlich sind schon viele der Verpressbohrung undicht geworden und spucken die giftige Brühe buchstäblich aus — mit verhehrenden Folgen (Quelle: Scientific American 2012: Are Fracking Wastewater Wells Poisoning the Ground beneath Our Feet?; leider bis dato nur in englischer Sprache).

Und auch schon beim Arbeitsschritt der Entsorgung des Flowbacks sind Unfallquellen vorhanden. So sind erst wieder am 24. Mai 2013 an der Verpressstelle Wittorf Z1 in Grapenmühlen etliche Liter giftige Flüssigkeit ausgelaufen. Die hektischen, großangelegten Aufräum- und Sanierungsarbeiten der verantwortlichen RWE Dea deuten auf die Brisanz dieser fehleranfällligen Praxis hin.

 

Weil beim Fracking soviel Gift im Einsatz ist und weil soviel Zerstörung stattfindet und weil außerdem so viele nicht beherrschbare Gefahrenquellen existieren, ist Fracking ein Frevel an der Erde und gehört verboten!

Liste der Fracs von 1961 bis 28.02.2103 im Zuständigkeitsgebiet des LBEG [PDF]

Zentrale Datensammlung aller hydraulischen Bohrlochbehandlungen seit 2010 beim WEG

Mehr Details zur Technik des Fracking z.B. beim Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land

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