Als könnte es umweltfreundliches Fracking jemals geben: Die „Hannover-Erklärung“

Campact-Giftspritze und Demo vor dem Reichstag in Berlin

Die überwiegende Mehrheit der Einwohner Deutschlands lehnt Fracking als unnötig und gefährlich ab. (Foto: Campact)

Bürgerinitiativen weisen Fracking-Vorstoß von BGR und Helmholtz-Zentren zurück

(Bonn, Hannover, 02.08.2013) Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. (BBU) und die Bürgerinitiative No Moor Fracking haben die „Hannover-Erklärung“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), des Helmholtz-Zentrums Potsdam – Deutsches Geoforschungszentrum (GFZ) und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) zurückgewiesen. Sie bewerten diese Erklärung als untauglichen Versuch, in Deutschland einen Freibrief für den Einstieg in die umweltzerstörende Gasgewinnungsmethode Hydraulic Fracturing (Fracking) zu erhalten. Obwohl täglich immer neue Forschungsergebnisse über die Gefahren des Frackings publiziert werden, setzen die Verfasser unbeirrt auf Fracking mit begleitender Forschung.

Oliver Kalusch vom Geschäftsführenden Vorstand des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz erklärt hierzu: „Die Abschlusserklärung zur Konferenz ‚Umweltverträgliches Fracking?‘ bringt keine neuen Aspekte in die Debatte. Die schablonenhaft vorgetragene Annahme, es gäbe ein ‚umweltverträgliches Fracking‘, die Forderungen nach Demonstrationsprojekten, umfangreichen Untersuchungen und nach der Einführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen sollen lediglich die Akzeptanz erhöhen. Ein ‚Green Fracking‘ existiert jedoch angesichts der vielschichtigen Risiken und tiefgehenden Eingriffe nicht. Selbst bei völligem Chemikalienverzicht kann sich das kontaminierte Lagerstättenwasser auf den gleichen Pfaden ausbreiten. Erst kürzlich veröffentlichte zudem die Duke University für dutzende Bohrungen mittels Isotopenanalysen den Nachweis von Methan im Grundwasser, welches aus der Lagerstätte stammt.“

„Gerade die Forderung nach Einführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung dient lediglich der Beruhigung der Öffentlichkeit.“ führt Thorben Gruhl von der Initiative No Moor Fracking aus. Er erläutert: „Es ist allgemein
bekannt, dass eine UVP kaum ein Projekt verhindert hat. Welch spärlicher Umfang der Gasindustrie dabei vorschwebt, zeigt die aktuelle Förderausweitung in Völkersen. Auch eine im Juni anberaumte Runde der Gasförderer mit dem niedersächsischen Umweltminister Wenzel brachte vor allem bunte Bilder und vage Worthülsen, dafür wenig Konkretes zu den Inhalten einer UVP.“

Für besonders durchsichtig halten der BBU und No Moor Fracking, dass die BGR einmal mehr das Scheinargument der Versorgungssicherheit in die Hannover-Erklärung aufgenommen hat. Selbst die BGR-eigenen Szenarien zur Schiefergasförderung stellen lediglich eine Deckung von 2 – 3% des deutschen Energieverbrauchs in Aussicht. Von einer Auswirkung auf das Preisgefüge spricht selbst die BGR nicht mehr. Erneuerbare Energien leisten hingegen mit einem 13%-Anteil am Primärenergiebedarf bereits heute das Fünffache dessen – ganze ohne die Risiken zehntausender erforderlicher Bohrungen einzugehen.

Für die Anti-Fracking-Bewegung ist der Inhalt der Hannover-Erklärung keine Überraschung. So findet man beispielsweise bei einem Blick ins Kuratorium der BGR Vertreter der Fracking-Konzerne Wintershall und ExxonMobil. Umweltorganisationen sucht man vergebens. Kritische Positionen zum Fracking oder die Forderung nach einer dezentralen, ökologischen Energiepolitik waren
daher nicht zu erwarten.

Abschlusserklärung zur Konferenz „Umweltverträgliches Fracking?“ am 24./25. Juni 2013 in Hannover (Hannover-Erklärung)

* Kommentierter Entwurf (PDF, 251 KB)

* Finalfassung (PDF, 212 KB)

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